Über das folgende Thema zu schreiben, ist gar nicht leicht, und ich denke, jeder Sportverein hat diese ganz besondere „Abteilung“: die Gruppe der Spielerinnen und Spieler, die der Verein in mühevoller Jugendarbeit aufgebaut hat, mit denen man tolle Erfolge gefeiert hat – die den Verein dann aber doch früh zu einem anderen Klub verlassen. Die Gründe für einen solchen Vereinswechsel sind vielfältig. Die einen ziehen zum Studium in eine andere Stadt, die anderen gründen in einer anderen Stadt eine Familie und die meisten wechseln zu einem höherklassigen Verein, der ihnen größere sportliche Herausforderungen und Möglichkeiten bietet als ihr Heimatverein.
Der Schachklub Landau-Dingolfing trauert ebenfalls einer ganzen Reihe solcher großartiger (Jugend-) Spieler hinterher, die den Verein mal im Laufe der Zeit verlassen haben. Zu diesen verlorenen Söhnen gehören zum Beispiel:
Gerhard Lettl und Hubert Firlbeck
Sie stießen in den 80er Jahren zum Schachklub und waren lange Jahre die dominierenden Jugendspieler Niederbayerns. Gerhard Lettl kann zudem auf vier errungene Vereinsmeistertitel zurückblicken. Nach zahlreichen Erfolgen in den Jugend- und Erwachsenenmannschaften wechselten beide zum Nachbarsklub, dem SV Deggendorf, und damit auch einige Ligen höher. Hubert Firlbeck spielt dort noch immer. Gerhard Lettl hat es dagegen aus beruflichen Gründen schließlich an den Tegernsee verschlagen. Dem Schachsport ist er jedoch erfreulicherweise treu geblieben. Heute leitet Gerhard den ortsansässigen Verein (Schachclub Tegernsee). Das Vereinsleben und der Teamgeist im Schachklub Landau-Dingolfing haben ihn also offenbar ermutigt, selbst Funktionärsverantwortung zu übernehmen.
Johannes Grabmeier
Ein weiterer erfolgreicher Vereinsfunktionär hat auch mal klein beim Schachklub Landau-Dingolfing angefangen: Johannes Grabmeier. Heute ist der ehemalige Landauer Vereinsmeister Vorstandsvorsitzender beim SV Deggendorf. Seinem Engagement verdankt der Schachbezirk Niederbayern unter anderem die nun langjährige Etablierung eines niederbayerischen Schachklubs in der Bundesliga (Bericht über die Endrunde in Deggendorf). Nach unseren Aufzeichnungen war sein Weggang aus Landau ausschließlich beruflich begründet.
Moritz und Lukas Stöttner
Die beiden Brüder, die von den Medien schon mal als „Schachklubbrüder“ bezeichnet wurden, stießen kurz vor der Corona-Pandemie zum Verein und entwickelten über die Jahre eine ganz bemerkenswerte Spielstärke. Mit ihnen in der Mannschaft glückte mehrfach der Aufstieg in die Regionalliga Süd-Ost. Moritz wurde dreimal Vereins- und Lukas sogar zweimal niederbayerischer Meister! Leider konnten wir auch sie nicht ewig halten. Heute kämpfen die beiden auf Bundesligaebene beim SC Garching und haben sich bereits FM- und IM-Normen und DWZ-Zahlen um die 2300 erspielt.
Ausblick:
Wenn man als Vereinsverantwortlicher an seine „verlorenen Söhne“ denkt, tut man das sicher zunächst mal mit einer gewissen Trauer und Enttäuschung darüber, dass man solche wichtigen Spieler früh verliert, obwohl man viel (Jugend-) Arbeit und Zeit in sie investiert hat. Dies ist aber bei genauerem Nachdenken nicht gerechtfertigt. Man vergisst dabei, dass diese ehemaligen Spieler selbst viel zu den Erfolgen des Vereins beigetragen und damit schon einiges zurückgegeben haben. Dass vor allem junge Spieler irgendwann nach größeren Herausforderungen streben, ist normal. Unsere abgewanderten Spieler sind zugleich nach außen sichtbare Beispiele für die erfolgreiche Arbeit des (kleinen) Schachvereins Landau-Dingolfing – ganz gleich, ob diese Spieler jetzt Vereinsvorsitzende oder künftige GM-Kandidaten sind. Der immer wieder geäußerten Ansicht anderer Vereine, „Jugendarbeit lohnt sich nicht, die Jungen gehen eh irgendwann mal weg“, müssen wir daher widersprechen. Jugend- und Vereinsarbeit lohnt sich immer!