Es war ein ganz besonderer Wettbewerb, den der Schachklub Landau-Dingolfing am letzten Freitag veranstaltete. Seine sechs besten Jugendlichen wurden zum Strategie- und Taktikwettbewerb geladen, den Dr. Christoph Schultes, Karl Probst und Martina Karl durchführten. Das Konzept dieses Wettbewerbs war neu. Normalerweise werden im Schachunterricht theoretische Eröffnungsabhandlungen besprochen und vor allem konkrete Stellungsbilder sehr umfangreich und präzise durchgerechnet.
Foto (v.l.n.r.): Leander Gallemann, Adrian Reif, Johannes Ruhland, Mustafa Uygun und Ludwig Karl. Es fehlt Giacomo BaroneAm Freitag durften sich die Jugendspieler Mustafa Uygun, Adrian Reif, Johannes Ruhland, Leander Gallemann, Giacomo Barone und Ludwig Karl dagegen einem ganz anderen Format stellen. Ihnen wurden der Reihe nach sieben Stellungen auf dem Schachbrett präsentiert und sie mussten innerhalb von jeweils drei Minuten pro Aufgabe – also unter erheblichem Zeitdruck – den besten Zug finden. Jeder dieser Züge hatten die Spieler dann gegenüber den Wettbewerbsorganisatoren in Einzelinterviews zu rechtfertigen. Für den jeweils besten Lösungsvorschlag gab es pro Aufgabe 10 Punkte.
Sinn dieser besonderen Wettbewerbsausgestaltung war es, die Turniersituation im Schachunterricht besser zu simulieren, da man in Turnierpartien sehr häufig in knapper Bedenkzeit gute Züge finden muss.
Es ging zunächst recht vielversprechend los. Die ersten beiden Aufgaben waren reine Taktikaufgaben, bei denen mittelschwere Figurenopfer erkannt und berechnet werden mussten. Das schafften alle Teilnehmer ziemlich gut. Bei der dritten Aufgabe gab es dann ein böses Erwachen: Ein scheinbar gewinnbringender Turmeinschlag, den alle sechs Jugendliche viel zu schnell präsentierten, entpuppte sich als Falle. Von jetzt an nutzten alle Teilnehmer ihre Bedenkzeit deutlich besser aus und das war auch nötig. Aufgaben vier und fünf forderten viel Konzentration und strategische Analysen ab.
Auch die letzten beiden Aufgaben hatten es in sich. Hier waren mehrere Lösungsansätze möglich und es kam zu interessanten und intensiven Diskussionen zwischen den Jugendlichen und den Wettkampfleitern. Das Endergebnis war auch ziemlich knapp: Johannes Ruhland sicherte sich den Spitzenplatz und damit auch den ausgelobten Geldpreis. Die Organisatoren des Wettkampfes zogen insgesamt ein positives Fazit – die Ergebnisse zeigten aber deutlich, dass die eigentliche Turniersituation mit knappen Bedenkzeiten noch stärker in den theoretischen Schachunterricht integriert werden sollte.
Eine der interessantesten Aufgaben war übrigens die folgende:

Weiß scheint kurz vor dem Durchbruch zu stehen. Wer aber glaubt, das verlockende 1. Txh7 würde zum Sieg führen, der irrt gewaltig, da Schwarz die wunderschönte Antwort 1…Dxc2+ aus dem Hut zaubern kann, die Weiß in größte Schwierigkeiten bringt (2. Kxc2 Sxe3+ 3. fxe3 Kxh7 kostet die Qualität und bei 2. Ka1 Kxh7 3. Sg5+ Kg8 4. Dh3 sieht es für Weiß sogar noch düsterer aus, da 4. … Dc1+ 5. Ka2 Sb4+ usw.). Weiß muss sich wohl zu einem ruhigen Zug wie 1. Dd2 durchringen, der den drohenden schwarzen Einschlag auf c2 neutralisiert.
Quelle: Dingolfinger Anzeiger vom 02.09.2026